Wirtschafts- und Wohlstandsniveau
Die österreichische Wirtschaft verzeichnete nach zwei Jahren rückläufiger Wirtschaftsleistung erstmals wieder ein schwaches Wachstum. Erneut sind aber die Industrieregionen mit einem schwierigeren Konjunkturumfeld konfrontiert.
Im Burgenland zeigt sich für das Jahr 2025 ein Anstieg der Wirtschaftsleistung über dem Bundesschnitt getragen von einem soliden Tourismus und des Bausektors.
Robuste Zuwächse wurden in der Industrie bei den KFZ-Zulieferbetrieben und der Holzverarbeitung verzeichnet. Im Gegensatz dazu war das Umfeld für den Maschinenbau und die Nahrungs- und Getränkeindustrie herausfordernd. Die Warenausfuhren sind zurückgegangen. Der kräftige Anstieg der Bauproduktion war von einer starken Erholung im Tiefbau sowie einer soliden Entwicklung im Hochbau getragen. Im tertiären Sektor waren wie bereits im Vorjahr der öffentliche Sektor, das Immobilienwesen sowie die IT-Branche maßgeblich an der positiven wirtschaftlichen Entwicklung beteiligt. Der Handel hat die Trendumkehr geschafft. Bei den unternehmensnahen Dienstleistungen sowie beim Verkehr und der Lagerlogistik blieb die Lage herausfordernd. Im Tourismus stand ein solides Plus bei den Nächtigungen einer weiterhin unter hohen Kosten leidenden Gastronomie gegenüber.
Die Arbeitslosenzahlen stiegen weniger stark als im Vorjahr um +3,3% an (Österreich: +6,6%). Die ebenfalls erneut gestiegene Arbeitslosenquote reihte sich mit einem Wert von 7,0% etwas unter dem Bundesschnitt ein. Die Beschäftigung stagnierte im Burgenland mit +0,1% und folgte damit dem Österreichtrend (+0,1%).
Das Bruttoregionalprodukt (BRP) misst die wirtschaftliche Leistung einer Region. Das Bruttoregionalprodukt je Einwohner/in (BRP/EW) ermöglicht einen Vergleich der Wirtschaftskraft der Regionen.
Für das Burgenland wurde im Jahr 2023 ein BRP/EW von rund 72% des österreichischen Werts ausgewiesen (Rang 9 unter den österreichischen Bundesländern).
Zwischen 2021 und 2023 wurde ein Anstieg des BRP von 19,9% verzeichnet (Österreich: +17,6%).
Das BRP bezieht sich auf den Arbeitsort, während die dazu in Relation gesetzten Einwohner/innenzahlen auf den Wohnort bezogen sind, d.h. dass regionsüberschreitende Pendler/innenströme unberücksichtigt bleiben. Ergänzend gibt der Indikator „BRP pro Erwerbstätiger/Erwerbstätigem” (BRP/Job) wieder, wie viel an den Arbeitsstätten je Region von den jeweiligen Arbeitskräften erwirtschaftet wird (Produktivität).
Für das Burgenland wurde im Jahr 2023 eine Produktivität von rund 84% des österreichischen Werts ausgewiesen (Rang 9 unter den österreichischen Bundesländern).
Die Wirtschaftsstruktur des Burgenlandes war und ist in einzelnen Landesteilen traditionell agrarisch geprägt. Eine nennenswerte Industrialisierung fand im Burgenland erst Ende der 1960er und Anfang der 1970er Jahre statt.
Die Bruttowertschöpfung (BWS) ergibt sich aus dem Gesamtwert der im Produktionsprozess erzeugten Waren und Dienstleistungen, vermindert um die Vorleistungen. Die BWS nach Wirtschaftssektoren gibt Auskunft darüber, welchen Beitrag die einzelnen Wirtschaftssektoren zur Gesamtwertschöpfung leisten.
Auf den primären Sektor (Land- und Forstwirtschaft, Fischerei) entfielen 2023 rund 3%, auf den sekundären Sektor (Gewinnung von Rohstoffen, Herstellung von Waren, Energie und Wasser, Bau) rund 29% und auf den tertiären Sektor (Erbringung von Dienstleistungen) rund 68% der BWS (Österreich: 1% primärer Sektor, 29% sekundärer Sektor, 70% tertiärer Sektor).*
Im Jahr 2023 waren rund 7% der Erwerbstätigen (regionale Zuordnung nach dem Arbeitsort) im primären Sektor beschäftigt, rund 22% im sekundären Sektor und von rund 71% wurde der Arbeitsplatz dem tertiären Sektor zugerechnet (Österreich: 4% primärer Sektor, 22% sekundärer Sektor, 74% tertiärer Sektor).*
Die oben beschriebenen (auf den Arbeitsort bezogenen) Indikatoren zum regionalen Wirtschaftsniveau und zur regionalen Wirtschaftsstruktur erlauben Rückschlüsse hinsichtlich der Ausstattung einer Region mit Unternehmen und Arbeitsplätzen sowie der wirtschaftlichen Attraktivität einer Region.
Zur Analyse des Wohlstandsniveaus der in der Region ansässigen Wohnbevölkerung wurde nun für die Arbeitsmarktprofile eine spezielle Berechnungsmethode angewandt. Die Verknüpfung verschiedener „Wohlstandsindikatoren”** und die daraus abgeleitete synthetische Gesamt-Rangreihung ermöglichen es, das Wohlstandsniveau der österreichischen NUTS 3-Regionen*** nach dem Wohnort-Prinzip zu erfassen. Die dabei verwendeten Indikatoren spiegeln sowohl die Einkommens- als auch die demografische Struktur der Regionen wider und geben somit ergänzende Informationen zu jenen Indikatoren, die sich auf den Arbeitsort beziehen.
Im Burgenland zeigt sich ein deutliches Nord-Süd-Gefälle. Während das Nordburgenland und das Mittelburgenland in die Kategorie oberes Mittelfeld der österreichischen NUTS 3-Regionen fallen, bleibt das Südburgenland hinter den nördlicher gelegenen Landesteilen zurück (siehe Karte 1).
