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Wirtschaftsstruktur und -entwicklung
Die dynamischen Aufholprozesse der Jahre 2021 und 2022 in Folge des starken Einbruchs der österreichischen Wirtschaft aufgrund der Corona-Pandemie fanden 2023 ein Ende - die folgenden beiden Jahre waren von einem Konjunkturabschwung gekennzeichnet. Die Konjunkturprognose des WIFO gibt für 2025 einen schwachen Anstieg des realen* Wirtschaftswachstums um 0,6% an. Wie schon in den Jahren davor, waren vor allem die Industrieregionen benachteiligt.
Eine genauere Analyse der konjunkturellen Entwicklung zeigt, dass die Sachgüterindustrie in vielen Bundesländern der zentrale Belastungsfaktor blieb. Insbesondere waren jene Regionen betroffen, die eine hohe Abhängigkeit vom Maschinenbau, der Metallverarbeitung und der Elektronikindustrie aufweisen. Positive Ausnahmen waren Tirol und Wien, wo die Pharmaindustrie und einzelne Industriezweige wie der sonstige Fahrzeugbau für Wachstumsimpulse sorgten. In der Bauwirtschaft waren ebenfalls unterschiedliche Entwicklungen zu sehen. Der Hochbau war in den meisten Bundesländern weiterhin rückläufig, der Tiefbau hingegen lieferte in vielen Regionen positive Impulse, insbesondere im Burgenland, in Salzburg und in der Steiermark. Die Warenexporte sanken insgesamt sowie in fast allen Bundesländern aufgrund der schwierigen globalen Wirtschaftslage, vor allem der verhaltenen Nachfrage aus dem wichtigsten Exportmarkt Deutschland sowie der US-Zollpolitik. Besonders betroffen waren Wien und Oberösterreich. Der Dienstleistungssektor zeichnete ein gemischtes, aber stabilisierendes Bild. In vielen Bundesländern leisteten der öffentliche Sektor, das Immobilienwesen sowie die Informationstechnologie einen positiven Beitrag zum Wertschöpfungswachstum. Nach einem schwachen Jahr 2024 konnte sich der Handel in allen Regionen wieder erholen. Im Tourismus stehen die Betriebe weiterhin unter Druck. Trotz eines Anstiegs der Zahl der Nächtigungen, belasten hohe Personal- und Energiekosten die Branche spürbar, sodass die Wertschöpfung in den Bereichen Beherbergung und Gastronomie bis auf Wien in allen Regionen rückläufig war.
Die österreichische Wirtschaftsstruktur zeigt sich regional sehr differenziert. In den städtischen Ballungsräumen dominiert der Dienstleistungsbereich, hohe Anteile an Arbeitsplätzen im sekundären Sektor finden sich immer noch in den traditionellen Industrieregionen Oberösterreichs (z.B. OÖ-Zentralraum, Eisenwurzen, Kirchdorf-Steyr), in der Obersteiermark, im Großraum Graz, im südlichen Niederösterreich sowie im Rheintal in Vorarlberg. Im Westen und Süden Österreichs und an einzelnen Standorten und Regionen in den anderen Bundesländern dominiert der Tourismus die regionalen Strukturen und Entwicklungen. Speziell Regionen des ländlichen Raums mit einem hohen Agraranteil versuchen über die Tourismusentwicklung eine neue ökonomische Basis zu erhalten.
Aufgrund der regional sehr unterschiedlichen Wirtschaftsstrukturen zeigte die aktuell angespannte konjunkturelle Lage in den einzelnen Bundesländern und Regionen unterschiedliche Ausprägungen. Wie auch im Vorjahr waren Bundesländer mit einem höheren Dienstleistungsanteil gegenüber den industrieorientierten im Vorteil. Wien und Tirol konnten ein überdurchschnittliches Wirtschaftswachstum verzeichnen. Auch Burgenlands Wirtschaft entwickelte sich positiv. In Niederösterreich und der Steiermark gab es ein schwächeres Wirtschaftswachstum etwa im Bereich des bundesweiten Durchschnittes. Während Salzburg und Vorarlberg ein leichtes Minus verzeichneten, bildeten die Bundesländer Kärnten und Oberösterreich das Schlusslicht mit den stärksten Rückgängen im Bundesländervergleich.
Die weiterhin angespannte wirtschaftliche Lage wirkt sich auch auf den Arbeitsmarkt aus. Wie im Vorjahr stagnierte die Zahl der unselbständig Beschäftigten auch im Jahr 2025 nahezu (+0,1%).
Die stagnierende Zahl der Beschäftigten ging mit einem weiteren Anstieg der Arbeitslosigkeit einher. Die Zahl der arbeitslosen Personen stieg im Jahresdurchschnitt 2025 um 19.688 bzw. um 6,6% auf 317.540 an. Der negative Trend der beiden Vorjahre setzte sich auch im Jahr 2025 mit einem erneuten Anstieg der Arbeitslosenquote auf 7,4% fort. Dieser Wert liegt auf dem Niveau vor der Corona-Pandemie (2019: 7,4%).
Aufgrund der aktuellen unsicheren globalen Rahmenbedingungen ist eine Prognose derzeit schwierig. Die weitere Entwicklung der österreichischen Wirtschaft ist von der Dauer des Iran-Kriegs und dessen Folgen für die Preise für Rohöl und Erdgas abhängig. Wirtschaftsforscher_innen des WIFO gehen für 2026 in einem optimistischen sowie einem Hauptszenario von einer Fortsetzung der Konjunkturerholung (+1,1% bzw. +0,9%) und einer Beschleunigung dieser im Jahr 2027 (+1,5% bzw. +1,3%) aus. In einem pessimistischen Szenario wird der bislang beobachtete moderate Aufschwung jäh unterbrochen und es wird für die Jahre 2026 und 2027 mit einem nur schwachen Plus der Wirtschaftsleistung (+0,2% bzw. +0,4%) gerechnet.